Hansegger (1908 - 1989) - Schweizer Avantgardist und Netzwerker der Moderne.

 

Johann Konstantin Egger, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Hansegger, wurde am 29. Mai 1908 in St. Gallen geboren und starb am 1. Oktober 1989 in New York City. Er war ein vielseitiger Maler, Galerist und Vermittler moderner Kunstströmungen, dessen Werk und Wirken noch heute für die Schweizer Kunstgeschichte bedeutsam ist.

 

Hansegger - Selbstbildnis, um 1934, Foto: Manuel Schmid, 2026

Hansegger - Selbstbildnis, um 1934, Foto: Manuel Schmid, 2026

Biografie und künstlerischer Werdegang

 

Hansegger wächst in St. Fiden im Kanton St. Gallen auf. Mit fünf Jahren verlor er die Mutter, drei Jahre später den Vater.

Er beginnt schon jung mit der Kunst. Seine ersten Einzelausstellungen datieren auf Ende der 1920er Jahre, und er unternimmt Studienreisen nach Italien, Belgien und später nach Paris.

In den 1930er Jahren lebt er in Zürich und Paris, wo er Teil des europäischen Kunstbetriebs wird und Kontakt zu wichtigen Kunstströmungen erhält. In Paris schliesst er sich der Gruppierung L’Association artistique des Surindépendants an, die Salons ohne Jury organisierte - ein progressives Konzept jener Zeit.

 

Galerist und Avantgardist

 

Hansegger leitet 1934 bis 1941 das "Künstlerhaus am Hirschengraben" (Hirschengraben 38 - 40) mit Galerie- und Atelierräumen zur Unterstützung von in- und ausländischen Kunstschaffenden.

Das Buch von Ute Kröger "Viele sind sehr sehr gut zu mir", gibt Einblick in die Freundschaft zwischen Hansegger und Else Lasker-Schüler und ihrem Sohn Paul. Darin wird der junge Maler Hansegger, nicht nur als begabter Maler, sondern auch als tüchtigen Netzwerker beschrieben.

Im Jahr 1942 gründet Hansegger in Zürich die Galerie des Eaux Vives, die er bis 1947 leitet. Diese Galerie wird zu einem der wenigen Schweizer Orte, die sich ausschliesslich auf abstrakte, konkrete und surreale Kunst konzentrieren. Sie fördert Schweizer Avantgardisten wie Camille Graeser, Richard Paul Lohse und andere Mitglieder der Künstlervereinigung Allianz, und präsentiert auch internationale Werke.

Die Galerie veröffentlicht zudem das Bulletin abstrakt | konkret (1944 - 1946), ein wichtiges Zeitdokument zur modernen Kunst in der Schweiz. Sie gilt als zentrale Plattform für die Sichtbarmachung der schweizerischen Moderne in einer Zeit, in der viele dieser Werke von der breiten Öffentlichkeit noch wenig wahrgenommen wurden.

  

Internationaler Einfluss

 

In den USA, wo er ab 1953 seinen Wohnsitz hatte, wird Hansegger vor allem als Maler und Teil der internationalen Kunstszene wahrgenommen. Er stellt in mehreren bedeutenden New-Yorker Galerien aus und wächst in den 1950er und 60er Jahren zu einem bekannten Künstler im transatlantischen Kunstbetrieb heran.

Eine Reihe von Radierungen mit Portraits von berühmten Persönlichkeiten, ist heute Teil der Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York. 

 

Im Jahr 1978 veröffentlicht Hansegger sein Manifest "A RADICAL AND SIMPLIFIED SHORTCUT TO MASTER YOUR DESTINY".

 

Rezeption und Bedeutung

 

Hanseggers Bedeutung für die Schweizer Kunst liegt weniger allein in einem einheitlichen künstlerischen Stil - vielmehr ist es seine Doppelfunktion als Schöpfer und Vermittler, die historisch hervorsticht:

  • Als Galerist und Netzwerker bringt er moderne und abstrakte Kunstformen in die Schweizer Öffentlichkeit.
  • Als Künstler selbst bewegt er sich zwischen europäischen Avantgarden und später nordamerikanischen Einflüssen.  

Mehrere Werke Hansegger's befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter im Kunstmuseum St. Gallen. Dort war anlässlich seines 80. Geburtstags 1988 eine Retrospektive zu sehen, die sein Schaffen und seine Vielseitigkeit würdigt.

 

Hansegger ist ein spannender, vielfach zu wenig beachteter Künstler der Schweizer Moderne. Als Netzwerker und Galerist half er mit, moderne Strömungen in der Schweiz zu verankern. Gleichzeitig zeigt sein eigenes Werk die Vielseitigkeit und den künstlerischen Wandel des 20. Jahrhunderts - von frühen abstrakten Experimenten bis hin zu figurativer und portraitierter Malerei in der internationalen Kunstszene.

 

Quelle und weiterführende Informationen:

Lexikonartikel SIKART

RoGallery

The MET Collection

hansegger.ch

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