Landert Keramik, Embrach (1908 - 2010) - Vom Einmannbetrieb zu einem Industrieunternehmen.

 

Vasen der Landert Keramik Manufaktur, Embrach, Foto: Manuel Schmid, 2026

Sammlung von Vasen der Landert Keramik Manufaktur, Embrach, Foto: Manuel Schmid, 2026

 Die Geschichte der Landert Keramik Manufaktur ist ein eindrückliches Beispiel für die Entwicklung eines handwerklichen Familienbetriebs hin zu einem industriell geprägten Unternehmen - und zugleich für die Herausforderungen, denen traditionelle Handwerksbetriebe im 20. und frühen 21. Jahrhundert gegenüberstanden. Gegründet im Jahr 1909 im zürcherischen Embrach, verkörpert die Manufaktur sowohl den Pioniergeist eines Einzelnen als auch die Dynamik einer ganzen Branche im Wandel.

 

Embrach (oder "Èmbri" wie es früher von Einheimischen genannt wurde) war über etwa ein Jahrhundert hinweg das bedeutendste Töpferzentrum im Kanton Zürich und versorgte weite Teile der Schweiz mit Keramikwaren. Dort wurde nahezu die gesamte Bandbreite an Produkten aus Ton hergestellt - von alltäglicher Gebrauchskeramik und Fondue-Caquelons bis hin zu Ofenkacheln, Kunstkeramik und spezialisierten Steinzeugwaren.

 

Der Ursprung der Manufaktur liegt in bescheidenen Verhältnissen. Heinrich Landert (1877 - 1950) begann um 1908 mit ersten Töpferei-Experimenten im Keller seines Wohnhauses. Aus diesen einfachen Anfängen entwickelte sich rasch ein kleiner Betrieb, der zunächst von Familienmitgliedern getragen wurde. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte das Unternehmen mehrere Mitarbeitende und verfügte über erste technische Erweiterungen wie Brennöfen und Pressen zur Herstellung von Blumentöpfen.

Diese frühe Phase zeigt exemplarisch die enge Verbindung von Handwerk, Familie und regionalen Ressourcen.

 

Der verwendete Ton stammte aus eigenen Gruben in der Umgebung - ein Hinweis auf die lokale Verankerung der Produktion. Gleichzeitig begann hier bereits der Übergang von rein handwerklicher Arbeit zu mechanisierten Prozessen, was für die Industrialisierung des Keramikgewerbes typisch war.

 

2021 veröffentlichte der Historische Verein Embrachertal ein aufschlussreiches Video, welches die Tätigkeit der Töpferei Landert beleuchtet. Alle Arbeitsschritte in einer modernen Töpferei um 1947 vom Abbau des Tons bis zur Auslieferung der fertigen Tonwaren. Ein einmaliges Filmdokument.

Mehr Informationen finden Sie direkt auf der Webseite des Vereins.

 

Video: Töpferei Landert 1947 Embrach

Video: Töpferei Landert 1947 Embrach

Text: Heinrich Landert, Stimme: Isabelle Paris, Musik: David Thayer

 

Ein entscheidender Entwicklungsschritt erfolgte in den 1930er Jahren mit der Einführung elektrischer Brennöfen. Diese Innovation führte zu einer erheblichen Steigerung der Produktionskapazität und Qualität. Die Manufaktur spezialisierte sich auf Gebrauchskeramik wie Geschirr, Buttertöpfe und Milchentrahmer. Besonders während des Zweiten Weltkriegs profitierte das Unternehmen von der eingeschränkten internationalen Konkurrenz und konnte stark expandieren - zeitweise beschäftigte es über 70 Mitarbeitende. Diese Phase markiert den Höhepunkt der wirtschaftlichen Bedeutung von Landert Keramik.

Sie steht zugleich für eine Zeit, in der regionale Produktion durch globale Krisen gestärkt wurde.

 

In den 1970er bis 1990er Jahren fand Landert Keramik eine neue Nische: kunstvoll dekoriertes Fonduegeschirr. Diese Spezialisierung knüpfte an die schweizerische Esskultur an und verband traditionelle Handarbeit mit marktorientierter Produktion. Die Produkte zeichneten sich durch charakteristische Dekore aus, die mittels Stempel- oder Schablonentechnik aufgetragen wurden und einen hohen Wiedererkennungswert besassen.

 

Doch trotz dieser Anpassungsfähigkeit geriet das Unternehmen in den 1990er Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die Globalisierung und der steigende Preisdruck durch internationale Konkurrenz führten zu strukturellen Problemen. 1997 wurde die Firma neu gegründet und Teile der Produktion ins Ausland verlagert. Ein späterer Versuch, die Produktion wieder nach Embrach zurückzuholen und mit einem sozialen Arbeitsprojekt zu verbinden, zeigt innovative Ansätze, konnte jedoch den langfristigen Niedergang nicht aufhalten. 2010 wurde die Produktion endgültig eingestellt.

 

Die Geschichte der Landert Keramik Manufaktur ist somit nicht nur die Geschichte eines einzelnen Unternehmens, sondern auch ein Spiegel grösserer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen. Sie verdeutlicht den Übergang von lokaler Handwerkskunst zur industriellen Produktion und schliesslich die Herausforderungen der Globalisierung für traditionelle Betriebe. Die Landert Keramik Manufaktur repräsentiert ein Stück Schweizer Industrie- und Kulturgeschichte - geprägt von Innovation, Anpassung und letztlich auch Vergänglichkeit.

 

Vase von Landert Keramik Embrach, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase (Höhe 30 cm), wohl 1960er Jahre, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase von Landert Keramik Embrach, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase (Höhe 27.5 cm), 1940er Jahre, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase von Landert Keramik Embrach, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase (Höhe 25.5 cm), um 1930er bis 40er Jahre, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase von Landert Keramik Embrach, Foto: Manuel Schmid, 2026

Vase (Höhe 30 cm), um 1930er bis 40er Jahre, Foto: Manuel Schmid, 2026

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