Alsiko Keramik Werkstätte Uster (Fritz & Helene Haussmann) - Keramik Pioniere im Zürcher Oberland. 

Das Keramikatelier Alsiko in Uster, gegründet 1928 von Fritz Haussmann (1900 - 1968) und seiner Frau Helene Haussmann (1905 - 1989), entstand in einer Phase intensiver stilistischer Spannungen zwischen Tradition und Moderne. Während sich avantgardistische Strömungen wie das Bauhaus radikal der Funktionalität verschrieben, entwickelte sich parallel dazu die Art Déco-Bewegung, die Moderne mit Eleganz und luxuriöser Materialität verband.

 

Fritz und Helene Haussmann, beide in Deutschland ausgebildet, brachten handwerkliches Können und gestalterische Visionen nach Uster. Ihr Ziel war es, Keramik nicht als rein dekoratives Objekt zu verstehen, sondern als integralen Bestandteil des täglichen Lebens. Die von ihnen entworfenen Gefässe - Teekannen (z.B. die patentierte "nicht tropfende" Indor Tee Kanne von 1933), Schalen, Vasen - zeichneten sich durch schlichte, oft nahezu ornamentlose Formen aus. Diese Reduktion war kein Mangel, sondern Ausdruck eines bewussten ästhetischen Programms: Form sollte der Funktion folgen.

 

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Haussmann Keramik Uster lässt sich auf das Jahr 1933 datieren, als der Schweizer Architekt Max Ernst Haefeli einen modernen Werkstattneubau entwarf und realisierte. Dieser Bau vereinte nicht nur funktionale Produktionsräume, sondern integrierte zugleich einen Verkaufsladen sowie eine Wohnung und spiegelte damit ein ganzheitliches Verständnis von Arbeit und Leben wider. Die Anlage verkörpert exemplarisch die Prinzipien der modernen Architektur der Zwischenkriegszeit, in der Rationalität, Klarheit und Zweckmässigkeit im Vordergrund standen.

Die Bedeutung dieses Projekts geht jedoch über seine bauliche Form hinaus. In der ausführlichen Dokumentation in der Fachzeitschrift "Das Werk" (1935) wird deutlich, wie eng hier architektonische Innovation und kunsthandwerkliche Produktion miteinander verknüpft waren und wie sich die Haussmann-Keramik als zeitgemässer Betrieb im Spannungsfeld von Tradition und Moderne positionierte.

 

In den 1920er- und 30er-Jahren suchten Kunstschaffende und Designer in ganz Europa nach neuen Ausdrucksformen, die sich von historisierenden Stilen abwandten. Auch in der Schweiz entstand ein wachsendes Interesse an funktionalem Design, das sich durch Klarheit, Reduktion und Alltagstauglichkeit auszeichnete.

Die Werkstätte von Fritz- und Helene Haussmann leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung schweizerischen Kunsthandwerks im 20. Jahrhundert.

 

Arbeiten von Studio Alsiko/Haussmann befinden sich unter anderem in folgenden Sammlungen:

Musée Ariana

Museum der Zürcher Hochschule der Künste

 

Quelle und weiterführende Informationen:

CERAMICA-Stiftung

designbutik.ch

Fachzeitschrift "Das Werk" (1935)

Alsiko Uster, Keramik Vase, Foto: Manuel Schmid, 2026

Eine äusserst seltene Vase im Art Déco-Stil (Höhe 21 cm), um 1928, Foto: Manuel Schmid, 2026

Alsiko Uster, Keramik Vase, Foto: Manuel Schmid, 2026

Mit Prägemarke "Alsiko Uster" auf der Unterseite, Foto: Manuel Schmid, 2026

Alsiko Uster, Keramik Vase, Foto: Manuel Schmid, 2026

Detailansicht, Foto: Manuel Schmid, 2026

Alsiko Uster, Keramik Vase, Foto: Manuel Schmid, 2026

Detailansicht, Foto: Manuel Schmid, 2026

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